Leider hat es etwas gedauert, bis ich endlich dazu gekommen bin, einen ausführlichen Bericht zu meiner Reise nach Südafrika und zum Rennen zu schreiben.
Einige werden es aber in den letzten Tagen schon mitbekommen haben: Meine ersten Tage in Port Elizabeth waren eine ziemliche Katastrophe.
Beim Training auf der Radstrecke wurde ich am Montag vor dem Wettkampf von einem Auto angefahren. Ich fuhr geradeaus, das Auto kam mir entgegen und der Fahrer hat wohl gepennt. Jedenfalls ist er abgebogen und hat mich dabei voll von der Seite erwischt.

Zum Glück bin ich mit ein paar Abschürfungen und Prellungen davon gekommen, war am Montag Abend aber wegen Schmerzen/Schwellung oberhalb des linken Knies kaum in der Lage zu gehen. Außerdem war mein Rad praktisch ein Totalschaden und der Rahmen mehrfach gebrochen (ein paar der Brüche siehe Fotos oben). Damit schien das Rennen für mich schon gelaufen zu sein bevor es überhaupt los ging.
Um dennoch die Option auf einen Start offen zu halten, musste jedenfalls so schnell wie möglich Ersatz für mein Rad her. Bei meiner Größe und nur ein paar Tagen Zeit, war das keine einfache Aufgabe.
Geklappt hat das nur, weil Nico (Nico Pfitzenmaier, machte vor Ort die Reiseleitung für Hannes Hawaii Tours) alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um mir rechtzeitig den passenden Ersatz für mein schrottreifes Rad zu besorgen und mir den Start zu ermöglichen. Danke an Nico, Momsen Bikes und Wayne Pheiffer und sein Team im Radladen! Ohne euch wäre ein Start unmöglich gewesen.
Nach ersten “Lauf”-Versuchen am Dienstag und weiteren Fortschritten bei der Genesung in den nächsten Tagen war ich zuversichtlich, am Sonntag wenigstens starten zu können. Die ursprünglich angestrebten Ziele waren aber in weite Ferne gerückt. Auch überhaupt zu finishen war alles andere als sicher und die Stimmung dem entsprechend mies.
Das abwechslungsreiche Programm außerhalb der eigentlichen Ironman-Vorbereitungen trug allerdings mit zur Ablenkung, schnellen Genesung und Rückkehr der Motivation bei.
Super toll war die große Delphingruppe (vom 80 cm Baby-Delphin bis zum ausgewachsenen Riesen-Delphin alles dabei), die uns beim Schwimmen begegnete, uns ohne jede Scheu mal eben von allen Seiten eng umkreiste und zeigte wie Schwimmen in Perfektion geht. Leider habe ich es auf die Schnelle nicht gelernt 
Außerdem waren die Ausflüge in den Addo Elephant Park und den Seaview Lion Park absolute Highlights.

Nun aber zum Rennen:
Ich war am Sonntag vor dem Start zwar noch nicht wieder 100% fit und schmerzfrei, aber optimistisch, dass es mit dem Finish klappen würde.
Also galt die Devise “Ich habe nichts zu verlieren. Alles probieren und das Beste aus der Situation machen!”.
Leider kam zu meinem persönlichen Handicap noch die Wetterlage am Wettkampftag (der einizige Tag mit wirklich schlechtem Wetter in der ganzen Woche) und machte das Rennen zu einem der härtesten (sowohl physisch als auch psychisch), die man sich vorstellen kann.
Der Morgen begann mit kühlen Temperaturen, strömendem Regen und starkem Wind. Pünktlich um 7 Uhr schickte dann ein Kanonenschuss die rund 1800 Starter auf die Reise. Schon das Schwimmen im aufgewühlten Meer mit starker Strömung war aber eine Herausforderung an der einige Athleten scheiterten.
Die Boje am Ende der ersten langen Geraden war anfangs überhaupt nicht zu sehen und wollte dann einfach nicht näher kommen. Irgendwann war die erste Runde dann doch geschafft und ein Blick auf die Uhr zeigte über 30 Minuten an.
Am Ende bin ich nach rund 1 Stunde und 5 Minuten auf Gesamtrang 41 aus dem Wasser gestiegen. Für ein Schwimmen mit Neo eigentlich unterirdisch. Aber wenn selbst Spitzenschwimmer wie Andi Böcherer etwa 55 Minuten für die 3,8 km benötigen ist meine Schwimmleistung durchaus in Ordnung.
Zwischenzeitlich hatte zwar der Regen aufgehört, der Wind frischte aber immer weiter auf und erreichte Geschwindigkeiten bis ca. 70 km/h.
Schon nach den ersten Kilometern und einem Linksknick, der die Strecke bis zum Wendepunkt voll in den Gegenwind brachte, war klar, dass Uhr oder Tacho heute völlig sinnlos waren. Es hieß nur kühlen Kopf bewahren, sich nicht irritieren lassen, nicht überziehen und einfach weiter vorwärts kämpfen.
Teilweise waren in der Ebene kaum die 20 km/h zu übertreffen. Ab dem Wendepunkt ging es dafür zum Teil mit über 60 Sachen und eigentlich nicht ausreichender Übersetzung wieder Richtung Port Elizabeth. Aber auch in diesen Abschnitten musste man hoch konzentriert bleiben und konnte sich nicht erholen.
Im Verlauf der drei Runden konnte ich mich schließlich bis auf Rang 23 nach vorne arbeiten.

Die 180 km auf dem Ersatzrad habe ich dabei in rund 5 Stunden und 5 Minuten absolviert. Die 5 Stunden zu knacken gelang bei diesen Bedingungen nur einer Hand voll Athleten, die Bestzeit setzte mit ca. 4:44 h der Franzose Cyril Viennot.
Auch beim abschließenden Lauf spielte der Wind kräftig mit und machte das Laufen sehr unrhythmisch. Nach gutem Beginn musste ich den Umständen (und vermutlich auch den Folgen meines Unfalls zu Wochenbeginn) etwas Tribut zollen.
Dennoch konnte ich mich mit einer der schnellsten Marathonzeiten des Tages (ca. 3:10 h, nur 3 Athleten blieben unter der 3 Stunden Marke, darunter der Sieger Clemente Alonso-McKernan in überragenden 2:46 h) noch bis auf den 12. Gesamtrang verbessern.
Ein super Ergebnis, mit dem ich (insbesondere in Anbetracht der Voraussetzungen mit denen ich ins Rennen gegangen bin) sehr zufrieden bin. Außerdem bedeutet dies weitere 640 wertvolle Punkte für die Hawaii-Quali (insgesamt jetzt 1040), mit denen ich momentan einen Sprung auf Platz 95 im aktuellen Kona-Pro-Ranking mache.
Damit bleibt die Chance auf die Quali bei entsprechenden Ergebnissen in den anstehenden Rennen in den nächsten Monaten gewahrt.
Gewonnen hat das Rennen in Südafrika der Spanier Clemente Alonso-McKernan vor dem Franzosen Cyril Viennot und dem Schweizer Mike Aigroz. Bester Deutscher war Markus Fachbach als Vierter. Andreas Böcherer, mein persönlicher Favorit vor dem Start, bestimmte lange das Renngeschehen, stieg aber später beim Laufen aus.
Das Rennen der Frauen entschied die mehrfache Hawaii-Siegerin Natascha Badmann (Schweiz) vor ihrer Landsfrau Simone Brändli für sich. Dritte wurde Diana Riesler, Susan Dietrich gelang mit Rang 5 ebenfalls ein gutes Resultat.
Komplette Ergebnisse zum Rennen in Südafrika gibt es hier.
Aktuelle Presseberichte zu meinem Rennen finden sich hier bei der Südwest Presse und dem Reutlinger Generalanzeiger.
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